Wer eine größere Investition finanziert – etwa die Übernahme eines bestehenden Unternehmens oder den Bau einer neuen Betriebsstätte – steht oft vor demselben Problem: In den ersten Monaten oder Jahren fließt noch kein oder nur wenig Umsatz aus der Investition zurück, während bereits die volle Kreditrate fällig wäre. Genau für diese Situation wurde die tilgungsfreie Anlaufzeit entwickelt, ein Instrument, das besonders bei KfW-Förderkrediten häufig zum Einsatz kommt.
Was ist eine tilgungsfreie Anlaufzeit?
Eine tilgungsfreie Anlaufzeit ist ein festgelegter Zeitraum zu Beginn der Kreditlaufzeit, in dem der Kreditnehmer ausschließlich Zinsen zahlt – keine Tilgung. Der ursprüngliche Kreditbetrag bleibt während dieser Phase unverändert bestehen, da kein Kapitalanteil zurückgezahlt wird. Erst nach Ablauf dieser Anlaufzeit beginnt die reguläre Tilgungsphase, in der die monatliche Rate sowohl einen Zins- als auch einen Tilgungsanteil enthält.
Wie lange dauert eine tilgungsfreie Anlaufzeit typischerweise?
Die genaue Dauer hängt vom jeweiligen Kreditprogramm und Vorhaben ab. Üblich sind ein bis zwei tilgungsfreie Jahre. Bei bestimmten Vorhaben – etwa Bauvorhaben oder einer Unternehmensübernahme, die mindestens zwei Drittel der Gesamtinvestitionskosten ausmachen – sind auch tilgungsfreie Zeiten von bis zu drei Jahren möglich. Die gesamte Kreditlaufzeit, einschließlich der tilgungsfreien Zeit und der anschließenden Tilgungsphase, kann bei geförderten Krediten teils bis zu 20 Jahre betragen.
Warum ist das für die Liquidität so wertvoll?
Der zentrale Vorteil liegt auf der Hand: Die monatliche Belastung während der Anlaufzeit ist deutlich niedriger als bei einem Kredit mit sofortiger Tilgung, da nur die Zinsen auf den vollen Betrag anfallen. Dieser Liquiditätsspielraum kann entscheidend sein, um beispielsweise:
Eine Unternehmensübernahme zu stemmen: Neue Eigentümer müssen sich häufig erst in den Betrieb einarbeiten, Kundenbeziehungen festigen und Prozesse anpassen, bevor der volle Ertrag des übernommenen Unternehmens realisiert wird.
Ein Bauvorhaben zu finanzieren: Während der Bauphase entsteht noch kein Umsatz aus der neuen Betriebsstätte oder Anlage, gleichzeitig laufen bereits Zinskosten für das aufgenommene Kapital.
Anlaufverluste einer Neuinvestition abzufedern: Neue Maschinen, Produktlinien oder Standorte brauchen oft eine Einlaufphase, bevor sie profitabel arbeiten.
Was passiert nach der tilgungsfreien Zeit?
Sobald die tilgungsfreie Phase endet, wechselt der Kredit in die reguläre Tilgungsphase. Ab diesem Zeitpunkt wird eine Annuitätsrate fällig, die sich über die verbleibende Laufzeit aus Zins- und Tilgungsanteil zusammensetzt und den Kredit bis zum Laufzeitende vollständig zurückführt. Diese Rate liegt naturgemäß höher als die reine Zinsrate der Anlaufzeit, da nun auch Kapital zurückgezahlt wird.
Ein wichtiger Punkt bei der Planung
Da während der tilgungsfreien Zeit weiterhin Zinsen auf den vollen ursprünglichen Kreditbetrag anfallen, ist die Gesamtzinslast über die komplette Laufzeit tendenziell etwas höher als bei einem Kredit ohne tilgungsfreie Phase. Für die meisten Unternehmen überwiegt jedoch der Liquiditätsvorteil in der kritischen Anfangsphase diesen Effekt deutlich – vorausgesetzt, die höhere Rate nach Ablauf der Anlaufzeit wird realistisch in die Finanzplanung einbezogen.
Häufige Fragen
Was bedeutet tilgungsfreie Anlaufzeit genau?
Während der tilgungsfreien Anlaufzeit zahlen Sie nur Zinsen auf den vollen Kreditbetrag, aber keine Tilgung. Der Kreditbetrag selbst verringert sich in dieser Zeit nicht.
Wie lange kann eine tilgungsfreie Anlaufzeit dauern?
Üblich sind ein bis zwei tilgungsfreie Jahre, bei bestimmten Vorhaben wie Bauprojekten oder Unternehmensübernahmen sind auch bis zu drei Jahre möglich, wenn diese mindestens zwei Drittel der Gesamtkosten ausmachen.
Was passiert nach Ablauf der tilgungsfreien Zeit?
Danach beginnt die reguläre Tilgungsphase: Sie zahlen eine Annuitätsrate aus Zins- und Tilgungsanteil, bis der Kredit vollständig zurückgeführt ist.
Für welche Vorhaben ist eine tilgungsfreie Anlaufzeit besonders sinnvoll?
Besonders hilfreich ist sie bei Unternehmensübernahmen, Bauvorhaben oder Investitionen, bei denen erst nach einer gewissen Anlaufzeit nennenswerter Cashflow entsteht.
Erhöht eine tilgungsfreie Anlaufzeit die Gesamtkosten des Kredits?
Da während der tilgungsfreien Zeit weiterhin Zinsen auf den vollen Betrag anfallen, kann sich die Gesamtzinslast im Vergleich zu einer sofortigen Tilgung leicht erhöhen. Der Liquiditätsvorteil in der Anfangsphase überwiegt diesen Effekt für viele Unternehmen jedoch deutlich.
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