Viele KfW-Förderkredite bieten zu Beginn der Laufzeit eine tilgungsfreie Anlaufzeit: In dieser Zeit zahlen Sie nur Zinsen, keine Tilgung. Das entlastet die Liquidität Ihres Unternehmens gerade in der Anfangsphase – etwa bei einer Unternehmensübernahme oder einem Bauvorhaben.
Nach Ablauf der tilgungsfreien Zeit beginnt die reguläre Tilgungsphase: Ab diesem Zeitpunkt zahlen Sie eine Annuitätsrate, die sowohl Zinsen als auch Tilgung enthält, bis der Kredit vollständig zurückgezahlt ist.
Eine tilgungsfreie Anlaufzeit ist besonders hilfreich, wenn ein Unternehmen erst Umsatz oder Cashflow aus der finanzierten Investition erwirtschaften muss, bevor es die volle Kreditlast tragen kann – etwa nach einer Unternehmensübernahme oder während der Bauphase einer neuen Betriebsstätte. Während dieser Zeit bleibt die monatliche Belastung auf die reinen Zinszahlungen begrenzt, was mehr finanziellen Spielraum für den Geschäftsaufbau schafft.
Bei einem Kredit über 150.000 € zu 3,5 % p.a. – den Standardwerten im Rechner oben – mit 2 tilgungsfreien Jahren und anschließend 8 Jahren Tilgungslaufzeit ergibt sich:
| Phase | Monatliche Belastung |
|---|---|
| Tilgungsfreie Zeit (Jahre 1–2) | 437,50 € (nur Zinsen) |
| Tilgungsphase (Jahre 3–10) | 1.793,71 € (Zins + Tilgung) |
Zum Vergleich: Würde derselbe Kredit ohne tilgungsfreie Zeit direkt über die volle Laufzeit von 10 Jahren getilgt, läge die konstante Monatsrate bei rund 1.483,29 € und die Gesamtzinsen bei rund 27.994,56 €. Mit der tilgungsfreien Variante liegen die Gesamtzinsen bei rund 32.695,94 € (10.500 € während der zweijährigen Anlaufzeit zzgl. rund 22.195,94 € Zinsen in der anschließenden achtjährigen Tilgungsphase) – spürbar höher, aber verbunden mit einer deutlich niedrigeren monatlichen Belastung in den ersten beiden, oft kritischsten Jahren.
Dieser Trade-off – höhere Gesamtzinsen gegen spürbar mehr Luft in der Anfangsphase – ist der zentrale Punkt, den Sie bei der Entscheidung für oder gegen eine tilgungsfreie Anlaufzeit abwägen sollten.
Je länger die tilgungsfreie Zeit, desto stärker der Effekt in beide Richtungen: mehr Entlastung am Anfang, aber auch mehr zusätzliche Zinsen insgesamt, weil der volle Kreditbetrag länger unverändert verzinst wird, bevor die Tilgung überhaupt beginnt. Am selben Beispiel (150.000 €, 3,5 % p.a., Gesamtlaufzeit inklusive Anlaufzeit 10 Jahre) zeigt sich das so:
| Tilgungsfreie Zeit | Monatliche Zinsrate in der Anlaufzeit | Rate nach der Anlaufzeit | Mehrzinsen ggü. ohne Anlaufzeit |
|---|---|---|---|
| 1 Jahr | 437,50 € | 1.621,11 € (9 Jahre Tilgung) | rund 2.336 € |
| 2 Jahre | 437,50 € | 1.793,71 € (8 Jahre Tilgung) | rund 4.701 € |
| 3 Jahre | 437,50 € | 2.015,98 € (7 Jahre Tilgung) | rund 7.098 € |
Die monatliche Zinsrate während der Anlaufzeit bleibt bei gleichem Zinssatz und Kreditbetrag konstant, unabhängig davon, wie lange die Anlaufzeit dauert – sie hängt nur vom noch nicht getilgten Betrag ab, der in dieser Phase unverändert bleibt. Die anschließende Tilgungsrate steigt jedoch spürbar, je kürzer die verbleibende Tilgungslaufzeit ist. Wägen Sie daher nicht nur „mehr Anlaufzeit ist immer besser" ab, sondern auch, wie hoch die Rate danach ausfällt und ob Ihr Unternehmen diese zu dem Zeitpunkt realistisch tragen kann.
Eine tilgungsfreie Anlaufzeit ist am sinnvollsten, wenn zwischen Kreditauszahlung und dem Zeitpunkt, an dem die Investition tatsächlich Cashflow erwirtschaftet, eine absehbare Lücke liegt – etwa bei einem Bauvorhaben mit mehrmonatiger Bauphase, einer Unternehmensübernahme mit Einarbeitungszeit, oder einer Existenzgründung, bei der die ersten Umsätze erst nach dem Markteintritt anlaufen. Sie ist weniger sinnvoll, wenn die finanzierte Investition von Beginn an planbaren Cashflow erzeugt (z. B. der Ersatz einer bereits ausgelasteten Maschine) – hier erhöht die Anlaufzeit die Gesamtkosten ohne einen entsprechenden Liquiditätsvorteil.
Ja, tendenziell etwas, weil während der Anlaufzeit weiterhin Zinsen auf den vollen, noch nicht getilgten Betrag anfallen. Für viele Unternehmen überwiegt der Liquiditätsvorteil in der kritischen Anfangsphase diesen Effekt jedoch deutlich.
Nein. Eine tilgungsfreie Anlaufzeit ist kein automatischer Bestandteil jedes Kredits, sondern eine Option, die vor allem bei bestimmten KfW-Förderprogrammen sowie teils bei Hausbankkrediten für Investitionsvorhaben angeboten wird. Ob sie verfügbar ist, klären Sie im Kreditgespräch mit Ihrer Bank.
Bei einem festen Zinssatz ja: Da keine Tilgung erfolgt, bleibt der offene Betrag unverändert, und damit auch die monatliche Zinsrate über die gesamte Anlaufzeit konstant. Sie ändert sich erst, wenn die reguläre Tilgungsphase beginnt.
Besonders dann, wenn zwischen Kreditauszahlung und dem Zeitpunkt, an dem die Investition tatsächlich Cashflow erwirtschaftet, eine absehbare Lücke liegt – etwa bei Bauphasen, Übernahmen mit Einarbeitungszeit oder Existenzgründungen.